Peter Raue



Nur ein medialer Tagesfliegenschiß


Wenige Stunden nach dem gestrigen letzten Satz war die »Mission Naumann« auch schon erledigt – diesmal reichte ein Referendar aus der »Heerschar«.

Heute liegen Frau Kegel von der FAZ die Berliner Urteilsbegründungen vor und sie kennt sogar die Aktenzeichen, die sie uns auch gleich sinnloserweise mitteilt. Sie ist erstaunt – so wie RA Peter Raue nach der Urteilsverkündung – wie klar und einfach die Vergehen der Beklagten dokumentiert werden. Für die nächste Instanz müssen sich Ursula Unseld-Berkéwicz und Raue schon eine neue Rechtswirklichkeit erfinden. In der existierenden werden sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 99% einen weiteren Schiffbruch mit Zuschauer erleben.

Aber das wird dann ohnehin niemanden mehr interessieren, da das LG Frankfurt den Verlag längst aufgelöst haben wird … Und dann haben sie so viel Zeit, endlich die bei Suhrkamp verlegten Bücher auch zu lesen.



Wahn! Wahn! Überall Wahn!


Am späten Nachmittag lancierte Sandra Kegel, FAZ-Redakteurin für Literatur und Literarisches Leben, unter der Überschrift »Mediator. Naumann vermittelt im Suhrkamp-Konflikt« eine formidable Falschmeldung auf FAZ.NET.

Bei der Lektüre stellt sich sehr schnell heraus, dass seitens der Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung, also von Ulla Unseld-Berkéwicz und ihrem Vorstandskollegen und Rechtsanwalt Peter Raue, lediglich ein Gesprächsangebot vorgelegt wurde, »um die bestehenden Konflikte der Gesellschafter des Suhrkamp Verlages zu lösen.« Frau Kegel schreibt weiter: »Die Stiftung bestellte den ehemaligen Kulturstaatsminister Michael Naumann zum Mediator.«

Spätestens beim Schreiben dieses Satzes hätte Frau Kegel bemerken müssen, dass etwas faul ist im Suhrkamp-Staat. Ein Mediator kann niemals von einem Gesellschafter bestellt werden. Beide Gesellschafter müssen sich auf einen Mediator verständigen – siehe dazu die wunderbare FAZ-Glosse »Suhrkamp 21« von Jan Wiele. Jedenfalls sehen Anstand, Vernunft und Gesetz das vor.

Und selbstverständlich lässt Naumann auf Anfrage gleich noch ein paar Spruchblasen in Sachen Suhrkamp aufsteigen. Dann schreibt Frau Kegel auch schon ihren letzten Satz: »Bislang hat Hans Barlach auf das Gesprächsangebot nicht reagiert.«

Form und Inhalt dieser Meldung resp. dieses kurzen Artikels kann man, nein: muss man als strohdummen Versuch einer (weiteren) öffentlichen Demütigung des Suhrkamp-Gesellschafters Hans Barlach werten; und es ist eine derart dummdreiste Provokation, die den Verdacht nahe legt, dass Richter Gieritz vom LG Frankfurt nur noch eine gesetzliche Möglichkeit haben wird: er wird den Verlag auflösen.

Ulla Unseld-Berkéwicz und Peter Raue bieten an und bestellen. Das zeugt einmal mehr von dramatischem Realitätsverlust und erschreckender Bildungsferne angeblicher »Geistesmenschen«. Übrig geblieben sind realiter Megalomanie und eine besonders widerliche Form von Arroganz statt »Verlagskultur«.

Und ausgerechnet Michael Naumann!
Hatte der nicht als Chefredakteur des Monatsmagazins Cicero gerade erst – am 12.12.2012 – den Artikel »Keine Absurditäten mehr ausgeschlossen« zur Causa Suhrkamp geschrieben? Und was schrieb der angebliche Mediator von Suhrkamps Gnaden, der Barlach grundsätzlich als »Möchtegern-Verleger« schmäht?

»Hans Barlach, in einem Wort, will Kohle machen. Er hält sich auch für einen besseren Verleger, nicht ahnend, dass zwischen satten Deckungsbeiträgen kraft Masseware und literarischer Qualität ein himmelhochweiter
[sic!] Unterschied existiert. Mehr noch, er nennt bekannte Verlegernamen, die er als Nachfolger von Ulla Unseld-Berkéwicz sieht. Keinen einzigen von ihnen hat er gefragt. Sie sind empört. Und kein einziger wäre so dumm, seinem Ruf zu folgen. Der Mann ist beleidigt, gekränkt, verärgert und einfach wütend – ein Racheengel mit einer Heerschar von Anwälten im Rücken.«

In einem heute um 19:07 Uhr vom Deutschlandradio Kultur ausgestrahlten Interview mit Naumann hat dieser wirklich die Chuzpe zu behaupten, »dass es jetzt darauf ankommt, dass Herr Barlach bereit ist, überhaupt ein Gespräch mit mir zu führen«. Und dann schwafelt er noch vom entscheidenden »walk of the wood« bei den seinerzeitigen Genfer Abrüstungsgesprächen. Ein bestellter Graus.

Man kann sich dieses trio infernale lebhaft vorstellen, wie sie sich gegenseitig diese zynische Dämlichkeit als Geisteswitz vorgegaukelt haben, denn Naumann ist doch auch seit 2010 Mitglied im »Board of Trustess« des milliardenschweren Medienunternehmens Thomson Reuters Corporation.

Es wird einfach immer ekelhafter. Und man muss erkennen: Suhrkamp ist vollkommen am Ende. So oder so. Aber für die Trauerfeier gibt es ja bekanntlich bereits die passende »Begegnungsstätte« in der Villenkolonie Nikolassee mit ausreichend Veuve Cliquot Ponsardin und Streichquartett. Und danach müssen sich die verlegten Autoren wieder finden und bei ordinären Verlagen veröffentlichen. Nur Peter Handke wird für immer im Wald verschwinden.